Digitalisierung im Handwerk: mehr Chancen als Risiken

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Digitalisierung ist im Handwerk angekommen, dies zeigt die Studie Digitalisierungsbarometer im Bau- und Ausbauhandwerk. Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden Gewerke des Baus und Ausbaus genauer unter die Lupe genommen und insgesamt 1800 Inhaber von Handwerksbetrieben telefonisch, 1000 Endkunden und 900 Jugendliche online befragt. 

Digitalisierung bringt positive Veränderungen

Die Mehrheit der Betriebsinhaber  sieht in der Digitalisierung ganz klare Chancen fürs Handwerk (54 Prozent). Knapp die Hälfte der Befragten (47 Prozent) sind der Ansicht, dass sich das Handwerk insgesamt positiv verändern wird. Der Fokus liegt vor allem auf der Prozessoptimierung, was sich auch darin zeigt, dass 51 Prozent der Befragten Betriebsinhaber der Ansicht sind, dass sich mit dem Einsatz neuer Technologien effizienter arbeiten lässt. Für 41 Prozent ist die Digitalisierung insbesondere im eigenen Betrieb wichtig. Die Corona Pandemie wird diese Entwicklung sicher weiter forcieren.

„Eine wichtige Voraussetzung ist, dass die Betriebsinhaber in der Digitalisierung mehr Chancen als Risiken erkennen und an Strategien arbeiten, neue Technologien und digitale Prozesse im Betrieb zu verankern“

Wolfgang Plöger, Geschäftsführer Lab4Innovations und Autor des Digitialsitungsbarometer

Was heißt Digitalisierung in einem Handwerksbetrieb

Was heißt Digitalisierung für Handwerksbetriebe und inwiefern gibt es Vergleichbarkeiten zwischen den Gewerken? Um hier ein genaueres Bild zu erhalten, wurden in der Studie vier Dimensionen definiert:

• Betriebsführung
• Marktkommunikation
• Geschäfts- und Verwaltungsprozesse
• Betriebliche Leistungserbringung

Den Dimensionen wurde ein Set von Indikatoren zugeordnet anhand derer der Gesamtdigitalisierungsgrad eines Betriebes, der Gewerke sowie der Digitalisierungsgrad einzelner Dimension aufgezeigt werden kann. Die unterschiedliche Relevanz der Indikatoren und deren unterschiedlicher Beitrag zu einer ganzheitlichen, umfassenden Digitalisierung wurde durch eine entsprechende Gewichtung berücksichtigt.

Nachholbedarf bei der Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie

Was über alle Gewerke hinweg sichtbar wurde, dass es in den meisten Betrieben an einer ganzheitlichen Digitalisierungsstrategie fehlt. Nur 16 Prozent haben sich bisher tiefer gehende Gedanken dazu gemacht und eine Vision entwickelt, wie ihr Betrieb mittel- bis langfristig aufgestellt sein soll. Hier besteht erheblicher Nachholbedarf. Gerade für kleinere Betriebe kann es sich aber lohnen, genau zu überlegen an welchen Stellen Digitalisierung für den eigenen Betrieb gewinnbringend eingesetzt werden kann. Dies bestätigten auch die Experten aus Verbänden, Kammern und der Industrie, die ebenfalls bei der Studie befragt wurden und eine ganzheitliche  Strategie sogar zum relevantesten Indikator erklärten.

Zu beobachten ist eine Korrelation zwischen der Bedeutung der digitalen Betriebsführung und dem Alter der Betriebsinhaber. Diejenigen, die unter 40 Jahre alt sind, treiben ihren Betrieb heute gerne mithilfe digitaler Technolo­gien voran. Der Index in der Altersgruppe liegt bei 43. Bei den 40- bis 49-Jährigen beläuft sich der Index immerhin noch auf 40. Weit weniger Ambitionen ihre Geschäfte zu digitalisieren, haben die Inhaber im Alter von 50 bis 59 Jahren sowie ab 60 Jahren. Sie verlassen sich nach wie vor eher auf herkömmliche Arbeitsweisen in der Geschäftsführung und -entwicklung.

Bei der Betriebsgröße sind ähnliche Tendenzen zu erkennen. Je mehr Mitarbeiter ein Betrieb hat, desto digital affiner sind sie. Betriebe, die 20 und mehr Mitarbeiter zählen, weisen bei der Betriebsführung und -entwicklung einen Index von 63 aus. Bei Betrieben mit weniger Mitarbeitern nimmt die Begeisterung für digitales Management zusehends ab.

In der weiter voranschreitenden Digitalisierung wird es vor allem darauf ankommen digitale Konzepte und machbare Lösungen für kleinere Handwerksbetriebe anzubieten. Kleinere Handwerksbetriebe mit bis 4 Mitarbeitern sind aktuell die dominierende Betriebsgröße. „Auch mit kleinem Budget lassen sich stringente Digitalisierungskonzepte aufbauen. Sie müssen nur auf transparenten und nachvollziehbaren betrieblichen Prozessabläufen beruhen“, so Georg Hiltner, Hauptgeschäftsführer Handwerkskammer Konstanz und Autor der Studie.