Digitale Geschäftsmodelle im Bau- und Ausbauhandwerk als Erfolgstreiber?

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Die Digitalisierung verändert auch die alltägliche Arbeit im Bau- und Ausbauhandwerk. So bestätigten fast ein Drittel der befragten Betriebsinhaber (27%) im Rahmen der Erhebungen zum Digitalisierungsbarometer für das Bau- und Ausbauhandwerk, dass sie sehr starke oder starke Veränderungen registrieren. Insbesondere jüngere BetriebsinhaberInnen zwischen 40 und 49 Jahren und InhaberInnen von größeren Betrieben (mehr als 20 MitarbeiterInnen) berichten signifikant häufiger von starken Veränderungen. Im Gewerkevergleich sind es vor allem Zimmerer und Betriebe im Gewerk Sanitär-Heizung-Klimatechnik, die diese am häufigsten erleben. Es ist anzunehmen, dass dieser Trend durch die Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten beschleunigt wurde.

Trotz der unterschiedlich starken Wahrnehmung von Veränderungen werden diese mehrheitlich positiv erlebt. Insbesondere Betriebsinhaber in der Gruppe 40 bis 49 Jahren bewerten mit 75 % die Veränderungen signifikant positiver als die anderen Altersgruppen. Eine kritische Haltung ist nur bei einer kleinen Minderheit zu konstatieren. Interessant ist, dass bezüglich des eigenen Erlebens, die Unterschiede zwischen den BetriebsinhaberInnen im Hinblick auf Alter und Betriebsgröße deutlich geringer werden.

Kunden als Treiber von Veränderungen

Veränderungen werden oft durch Impulse von außen initiiert. So können neue Marktgegebenheiten, andere Angebote und auch Kundenanforderungen Auslöser sein. Vor allem letztere scheinen im Bau- und Ausbauhandwerk Treiber für Veränderungen zu sein, denn im Rahmen der Studie haben insgesamt 60 % der Betriebsinhaber bestätigt, dass sie von ihren KundenInnen nach neuen Produkten und Dienstleistungen gefragt wurden. Auffallend ist der überdurchschnittliche Wert von 77 % bei Elektrobetrieben, wozu sicher auch die zunehmende Nachfrage nach Smart Home Lösungen beigetragen hat. Insgesamt handelt es sich bei den neuen nachgefragten Produkten und Dienstleistungen in erster Linie um Ergänzungen des aktuellen Angebotes (91 %). Aber auch neue, noch nicht im Angebot stehende Produkte und Dienstleistungen werden häufig nachgefragt (71 %).

Veränderung der Wertschöpfung

Dass sich die Wertschöpfung durch die Digitalisierung verändert hat, wird von einem Viertel der Betriebsinhaber angegeben. Dabei zeigt sich, dass sich die Wertschöpfung um so häufiger verändert, je jünger der Betriebsinhaber ist. Auch mit der zunehmenden Betriebsgröße wächst der Anteil derjeniger, deren Wertschöpfung sich verändert hat. Hakt man genauer nach inwiefern sich die Wertschöpfung verändert hat, zeigt es sich, dass vor allem Erweiterungsmaßnahmen der Produkt- und Dienstleistungsportfolios ergriffen worden sind. Hier bieten sich auch kleinen Betrieben Chancen sich im Wettbewerb zu profilieren, indem sie systematisch und gezielt bereits vorhandene Dienstleistungen optimieren oder zusätzliche Dienstleistungen neu entwickeln.

Neue Geschäftsmodelle zur Sicherung unternehmerischer Erfolge

Ein Drittel der Betriebsinhaber sehen für die Zukunft neue Geschäftsmodelle, die sie in ihrem Betrieb umsetzen werden. Je jünger die Betriebsinhaber sind, desto häufiger wird diese Absicht artikuliert. Wird die Ist-Situation (also bereits aktuelle Veränderung der Wertschöpfung durch die Digitalisierung) in Beziehung gesetzt zu der zukünftig erwarteten neuen Wertschöpfung, dann zeigt sich die größte prozentuale Zunahme in der Altersgruppen 40 – 49 Jahren (43%). Überraschenderweise liegt an der zweiten Stelle die Altersgruppe der über 60-Jährigen, mit einer prozentualen Zunahme um 38%. Auch wenn das absolute Niveau nach wie vor gering bleibt, so zeigt sich daran, dass auch in dieser Altersgruppe eine nicht zu vernachlässigende Veränderungsdynamik vorhanden ist und weiter genutzt werden sollte. Auch mit der zunehmenden Größe des Betriebs steigt dieser Zukunftsausblick sehr deutlich an. Mit einer prozentualen Zunahme um 43% zeigen gerade die Inhaber von Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeitern eine überaus hohe erwartete Veränderungsdynamik.

Für einen nachhaltigen unternehmerischen Erfolg wird es auch im Bau- und Ausbauhandwerk immer wichtiger werden nicht nur einzelne Produkte oder Dienstleistungen weiter oder neu zu entwickeln, sondern Geschäftsmodelle zu kreieren, die vollständige Problemlösungen umfassen.

Zur Studie

Der Digitalisierungsbarometer ist ein deutschlandweit angelegtes repräsentatives Forschungsprojekt zur Ermittlung des Digitalisierungsgrades ausgewählter Gewerke des Bau und Ausbaus und deren Vergleichbarkeit. Befragt wurden 1800 Inhaber von Handwerksbetrieben telefonisch, 1000 Endkunden, 900 Jugendliche und knapp 50 Experten online. Hinzu kamen 24 offene Interviews mit Inhabern von Handwerksbetrieben sowie drei Gruppendiskussionen mit Endkunden. Initiator der Studie ist die Empfehlungs- und  Bewertungsplattform wirsindhandwerk.de in Zusammenarbeit mit Lab4Innovations und mit Unterstützung des Baden-Württembergischen Handwerkstag (BWHT), des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg sowie der Deutschen Bank und Signal Iduna.